In etwa 4 Wochen findet die Landtagswahl in Schleswig-Holstein statt. So langsam sollte man also einen aktiven Wahlkampf erwarten dürfen. Aber mal ganz ehrlich: Vom Wahlkampf habe ich noch nicht so viel mitbekommen. Fast hat man das Gefühl, keine der angetretenen Parteien hat Lust, in unserem Bundesland Politik zu machen.
Heide Simonis von der SPD scheint mir nach mindestens 4.000 Legislaturperioden am Stück langsam ein wenig Amtsmüde. Darauf deutet - zumindest im Internet - auch hin, dass sich die Domain heidesimonis.de laut zentraler Vergabestelle
DENIC gerade im "Transit" befindet. Wohin? Bereits nach Berlin ins Kabinett vom Gerhard? Pläne für "nach-der-Wahl"? Egal.
Viel Mühe hat man sich bei der Kampagne meiner Meinung nach nicht gegeben. Nur den eigenen Namen in fetten Lettern ("HE!DE") auf die Wahlplakate drucken zu lassen ist nicht besonders kreativ. Zumal: Was soll das Ausrufungszeichen mitten im Namen? Da erwartet man eine klare Aussage - nur: Wo ist die? HE! HE, was? Aber gut: Nach dem zehntausendsten Wahlkampf immer neue Ideen zu präsentieren ist sicherlich auch nicht ganz einfach. Heide - pardon HEI!DE - kann man aber immer noch zu Gute halten, dass Sie eine schleswig-holsteinische Agentur mit der Umsetzung Ihrer Wahlkampf-Website beauftragt hat.
CDU-Gegenkandidat
Peter Harry Carstensen (Nach Angaben seiner Agentur auf den Wahlplakaten: "Einer von uns - Einer für uns") scheint den Agenturen im eigenen Land nicht zu vertrauen und ließ die Markenmacher von McCann-Erickson aus Hamburg ran. Na ja, nicht das erste Mal, das schleswig-holsteinische Politiker ihr Heil in Hamburg suchen.
Der Gute scheint mir nach den Ereignissen der letzten Monate dann auch eher für die Schafzucht und weniger für die Politik geeignet zu sein. Manchmal habe ich den Eindruck, er macht mit seinen ganzen Pannen Wahlkampf für Heide Simonis. Aber nein, das kann wohl nicht sein. Obwohl: Zuerst die fehlenden Aussagen, dann das mehr als fragwürdige Schattenkabinett. Und nun? Wo bleibt der Masterplan für die Amtszeit, Herr Carstensen?
Und dabei hatte der Mann doch alle Asse auf der Hand. Mehr als eigentlich in einem Standard-Kartenspiel vorhanden sind. Denn nicht nur Heide scheint mir Amtsmüde, auch die Schleswig-Holsteiner wären - meiner Meinung nach - für ein wenig Abwechslung in Kiel offen. Aber Herr Carstens scheint das nicht mitbekommen zu haben - da kann er mit seiner "Ich bin einer von euch"-Webadresse (peter-harry.de) noch so viel Volksnähe heucheln.
Und was ist mit der
FDP? Nimmt die noch aktiv am Wahlkampf teil oder sind die Damen und Herren verreist und kommen nach der Wahl wieder, um sich dann als Koalitionspartner anzubieten. Das spart Kraft und Geld. Ja, bei der FDP wusste man schon früh, wie man wirtschaftlich agiert. Und dabei hätte ich Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki persönlich mehr zugetraut. Normalerweise um einen spitzen Kommentar nicht verlegen, scheint er im Moment alle Kräfte zu sparen. Wofür nur? Laut Website der FDP (Link s.o.) für den "Aufbau Nord". Richtig: Wer beim Aufbau Ost schon nicht so richtig mitmachen durfte, der sollte sich neue Betätigungsfelder suchen. Baustelle 1 ist versackt - lasst uns Baustelle 2 eröffnen. Aber auch hier fehlt mir irgendwie die Substanz.
Kommen wir zu den
Grünen und machen wir es kurz: Nach dem überaus harten Durchboxen der Vogelschutzgebiete in unserem schönen Land bricht zumindest die Landbevölkerung aus dem Stand in die Milchsuppe mit Klüten, wenn sie euch sieht. Große Chancen würde ich mir bei dieser Wahl nicht ausrechnen. Aber wie gesagt: Das ist ja auch nur meine Sicht auf die Dinge. Vielleicht kommt ja alles ganz anders. Schade nur, dass Bundes-Vorzeige-Frontmann Fischer für den Wahlkampf wegen der Katastrophe im indischen Ozean gerade nicht zur Verfügung steht. Das kostet wichtige Sympathiepunkte im Wahlkampf. Wird euch die Willkür der Natur am Ende an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern lassen? Dabei steht ihr doch auf Du-und-Du mit ihr. Na ja, vor 25 Jahren mal mehr, heute mal weniger. Also auch keine echte Alternative.
Und was passiert immer dann, wenn die Alternativen für eine Entscheidungen fehlen? Die kleinen (und leider manches mal auch extremen) Parteien vom rechten und linken Rand werden für die Wähler interessant. Ihr Lieben bei SPD, CDU, FDP und Grünen: Sollten die Damen und Herren von NDP/DVU in den Landtag einziehen, dann hört mir bitte auf, euch gegenseitig die Schuld zu geben. Meiner Meinung nach versaut ihr es gerade gemeinsam!
Zurück vielleicht noch einmal zu der Amtsmüdigkeit der Würdenträger und zur Heil-Suche in Hamburg: Wie wäre es, wenn wir die Wahl im Februar ausfallen ließen und statt dessen der Hamburger Senat - sagen wir - 2x die Woche in Teilzeit nach Kiel käme, um hier auch die schleswig-holsteinischen Amtsgeschäfte zu leiten. Der von Beust ist doch ein patenter Typ und nachdem wir den Hamburgern schon unsere aussichtsreiche Biotechnologie übertragen haben und die Zusammenarbeit auch bei den Eich- und Landes-Ämtern für Statistik schon hervorragend klappt, wäre das doch mal eine Möglichkeit, massiv Geld zu sparen.
Ganz nebenbei: Wer - wie ich - immer noch nicht weiß, was er/sie wählen soll, dem sei der
Wahl-O-Mat für Schleswig-Holstein empfohlen.