1.9.06

Interessante Preisgestaltung bei Hewlett-Packard

Wenn der Drucker nicht mehr druckt, sondern meint seine Berufung im Ziehharmonikafalten von Papier gefunden zu haben, dann taugt er nicht mehr. Es sei denn, man kann es seinen Kunden als besonders schick verkaufen, dass Rechnungen und Angebote künftig in Form eines 21x2 cm breiten Streifens zugestellt werden. Für uns bei wquadrat war es damit Zeit für einen neuen Drucker.

Und diese Woche fand dann auch ein schönes neues Peripheriegerät den Weg zu uns ins Büro. Der Name des Neuen: "hp LaserJet 1320tn". Das "t" steht übrigens für ein zweites Papierfach (Tray) und das "n" für einen Netzwerkanschluss (Network) - nur falls es jemanden interessiert.

Die Anleitung (wohl aus Umweltschutzgründen nur noch auf CD vorhanden) verrät: Er kann auch von hinten, wenn er will. Also Duplexdruck meine ich jetzt - theoretisch kann er zumindest.

Praktisch stellt alles, was über 4 Seiten hinausgeht, beim Duplexdruck eine echte Herausforderung für unseren Freund der schwarz/weiß besudelten Holzfaser dar und endet mit einem Druckabbruch. Das könnte eventuell an dem nicht gerade üppig bemessenen Speicher liegen, der im Gerät steckt. Gerade mal 16 MB spendiert Hersteller "hp". Nach dem Laden des Betriebssystems sind davon im laufenden Betrieb noch magere 5,5 MB übrig. Scheinbar zu wenig, um mehr als 4 Seiten im Duplexdruck auszugeben.

Aber wozu gibt es im hp-Online-Shop die Abteilung "Verbrauchsmaterialien, Zubehör & Sonstiges". Kurz geschaut, noch ein Klick auf "Ram-Erweiterung" und dann...mit dem Kinn auf die Tischkante geschlagen. Ich glaubte zunächst an einen Fehler. Schließlich ist das mit den Kommas und den Punkten bei amerikanischen und deutschen Währungsangaben ja grundverschieden.

Und es konnte sich doch nur um einen Fehler handeln. Denn wer würde wohl für eine Speichererweiterung um 64 MB wirklich 500 Euro (!!!) ausgeben, wenn er für genau den gleichen Preis gerade den Drucker erworben hat.

Ich meine, klar: Oft übersieht man total aufgemotzte "Daihatsu Cuore"-Modelle auf den Autobahnen, die ihre geistig minderbemittelten für Psychologen durchaus interessant veranlagten Fahrer auf der Rückscheibe deutlich mit dem Aufkleber "Böhse Onkelz" oder ähnlich Ausgefallenem der Lächerlichkeit preis geben. Und ja: Natürlich ist in so einem Fall das Tuning auch teurer als das ganze Auto. Aber bei einem Drucker?

Das konnte doch nur ein ganz schlechter Scherz sein. Ist es aber nicht. "hp" meint das ganz ernst. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Der Drucker kann ja beidseitig drucken. Nur eben nicht mehr als 4 Seiten. Wer mehr will, der soll doch bitte zahlen.

Na ja, wozu haben wir Martin. Wir erinnern uns: Martin hatte mir im letzten Winter schon bei der Auswahl von Komponenten zur ersten Staffel "Home Improvement" geholfen. Martin recherchierte ein wenig und fand heraus, dass wir da wohl nicht die Einzigen sind, die nach einer Speichererweiterung zu erschwinglichen Preisen suchen. Ein Hinweis dazu findet sich schon in der Bewertungsliste des Druckers bei Amazon.de.

Dort weist jemand auf günstige Speicherbausteine von Transcend hin. Um es kurz zu machen: Die Speicherbausteine dort kosten um die 30 Euro und man bekommt dafür sogar einen Ram-Riegel mit 128 MB. Der Online-Shop ist übersichtlich nach Druckermodellen sortiert und die Ware wird meist innerhalb eines Werktages zugestellt. Die Speicherbausteine funktionieren "1a" und der Duplexdruck von mehrseitigen Dokumenten nun auch.

Jetzt frag ich mich nur noch: Für wie doof hält "hp" seine Kunden? Oder ist das die neue Art der Mischkalkulation? Vielleicht gibt es ja auch bald Autohersteller, die Wagen ohne Schalthebel zu moderaten Preisen anbieten und für den Kupplungsknauf dann Mondpreise verlangen. Wir werden sehen.