29.1.06

Home Improvement: Ein Mediacenter im Eigenbau VI

Heute: Das Beste zum Schluss

Der Januar neigt sich dem Ende zu und auch die erste Staffel unserer kleinen Heimwerkershow geht in die letzte Runde.

Nachdem die Mediacenter-Edition von Microsoft (MCE) beim letzten Mal in Unvermögen deutlich zum Ausdruck gebracht hat und ich nicht bereit bin, auf MTV und Videotext zu verzichten (von einer einigermaßen annehmbaren Bildqualität mal ganz zu schweigen), habe ich diese Woche mal zwei Alternativprodukte getestet.

Beide laufen ebenfalls auf Windows XP, welches bei der Mediacenter-Edition von Microsoft praktischerweise zum Lieferumfang gehört. Bevor man eine andere Software als die MCE einsetzen möchte, muss man die Registry-Einträge der Sat-Karte noch bearbeiten. Wir erinnern uns: Die MCE konnte mit DVB-S nichts anfangen. Die Sat-Karte konnte man mit Hilfe eines Registry-Schlüssels so einstellen, dass sie sich für die MCE als DVB-T-Karte ausgab. Für die beiden Produkte, die ich heute teste, ist das nicht nötig. Beide unterstützen den digitalen Sat-Empfang von Hause aus. Hauppauge bietet zum Zurückstellen zum Normalmodus in dem bereits heruntergeladenen MCE-Paket einen Registry-Tool namens "Enable-WinTV" an.

Zurück zu den beiden Alternativen: Die erste heißt "MediaPortal" und ist kostenlos. Die Open-Source-Software wird von zahlreichen Programmierern entwickelt und liegt zur Zeit in der Version 0.2 Releasecandidate 2 vor. Die 26 MB sind mit DSL fix heruntergeladen und die Installation läuft völlig problemlos durch.

Es werden bereits zahlreiche TV-Karten unterstütz und eine Transponderliste für die wichtigsten europäischen Satellitensysteme sind bereits integriert. Leider wurden bei der Auswahl der Astra-Satelliten beim ersten Durchlauf keine Sender gefunden. Aber egal - das Setup läuft ansonsten problemlos durch.

Anders als bei der MCE gehört beim "MediaPortal" ein externes Konfigurationsprogramm zum Lieferumfang. Darüber klappt dann auch die Sendersuche zum Astra-System. Auch die Verwaltung der Senderlisten ist über das Programm problemlos innerhalb kürzester Zeit möglich. Sogar ein XML-Export der Senderlisten für den Havariefall steht zur Verfügung.

Beim ersten Start sieht das Programm wirklich vielversprechend aus. Radiosender wurden - wie man es erwartet - in die Rubrik "Radio" sortiert (und nicht den TV-Sendern zugeteilt, wie in der MCE). Daneben wartet das "MediaPortal" mit einem Informationsbereich zum lokalen Wetter und mit einem Spiel (Tetris) auf. OK, braucht man nicht wirklich - aber beim langweiligen Fernsehprogramm von heute kann es ja schon mal vorkommen, dass man lieber Tetris spielen möchte.



Der TV-Modus enttäuscht leider ein wenig. Die Menüführung ist - meiner Meinung nach - ziemlich umständlich und hakt hier und da auch mal gern. Auch das TV-Vollbild läuft nicht wirklich flüssig. Nachdem ich hier die Einstellungen für die Codecs verändert hatte, war zwar das Bild in Ordnung - der Ton war aber nicht mehr synchron.

Ok, also auch noch keine perfekte Lösung. Besonders das Umschalten der Sender dauert mir mit bis zu fünf Sekunden entschieden zu lang. Aber es lohnt sich bestimmt, diese Software im Auge zu behalten. Zumal der Markt für Mediacenter sicherlich in den nächsten Jahren beispielsweise durch HDTV und anderen technischen Schnickschnack massiv wachsen wird.

Aber für den Moment brauche ich eine andere Lösung. Warum nicht mal schauen, ob es auf dem deutschen Markt etwas brauchbares gibt. Bei diesem "Schauen" bin ich auf die Software "Sceneo TVcentral" von Buhl-Data getoßen.

Auf der Website kann eine 30 Tage voll lauffähige Trial-Version heruntergeladen werden (Kaufpreis: 69,95 Euro als Download-Edition). Der Download der rund 140 MB dauert hier schon ein wenig länger. Aber auch der ist irgendwann abgeschlossen und dann gehts ans Setup.

Auch "TVcentral" bietet ein externes Konfigurationsprogramm. Auch hier ist die Sendersuche und Senderverwaltung ohne Probleme möglich. Ansonsten ist das Konfig-Programm ein wenig Gewöhnungsbedürftig. Aber die Dokumentation ist sehr ausführlich, so dass man die Geheimnisse der einzelnen Registerkarten irgendwann lüften kann.

Nach dem Sendersuchlauf und den ersten Grundeinstellungen geht es an den ersten Start. Wichtig: Über das Windows-Tool "msconfig" sollte auf der Registerkarte "Systemstart" das Programm "ehstart" ausgeschaltet werden. Ansonsten werden bei der Bedienung von TVcentral über die MCE-Fernbedienung Teile von MCE gestartet, was bei mir einen ziemlichen Systemhänger verursachte. Außerdem empfiehlt Buhl-Data für einige TV-Karten die Installation eines sogenannten BDA-Patches für Windows XP.



Nachdem alles geupdatet ist, läuft "TVcentral" aber ohne Probleme. Was sofort auffiel: Die Bildqualität war einwandfrei und es gab auch keine Aussetzer in Bild und Ton mehr. Die Bedienung gestaltete sich anfänglich etwas umständlich: Zwar ist der Menüaufbau und auch die Umschaltung ziemlich flink - aber die MCE-Fernbedienung wird durch "TVcentral" nicht direkt unterstützt. Hätte ich nicht schon eine Fernbedienung gekauft, dann wäre das Einsteiger-Hardwarepaket im Centarea-Onlineshop eine gute Option.

Der Produktkern von "TVcentral" selbst basiert auf der Software "Meedio" und ist Nachfolger des kostenlosen MyHTPC. Die Oberfläche und zahlreiche Zusatzfunktionen (Plug-Ins) werden von Buhl-Data entwickelt. Das Produkt ist ziemlich stabil, reagiert sehr schnell auf Nutzereingaben (Umschalten in maximal 2 Sekunden) und hat viele nette Zusatzfunktionen (erweitertes EPG ohne technisches Gefrickel, Sendersuchlauf ohne Porgrammlistenverlust). Und wenn es doch mal ein Problem gibt, hilft das Herstellerforum in den allermeisten Fällen weiter.

Nachdem ich das Programm nun seit einigen Tagen im Alltag getestet habe, bin ich überzeugt: Die beste Mediacenter-Software kommt zur Zeit aus Deutschland und heißt "Sceneo TVcentral". Zwar gibt es auch hier sicherlich einiges zu verbessern (die Systemeinstellung können zwar auch über die TVcentral-Oberfläche bedient werden, die Schriftgröße macht das aber auf kleineren TV-Geräten unmöglich) - aber im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden. Mich ärgert jetzt nur, dass ich schon Geld für die MCE von Microsoft ausgegeben habe.

Das war also die erste Staffel "Home Improvement". Mal sehen, was es in Zukunft noch so zu "improven" gibt. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Das Buch zur Sendung können Sie sich jetzt selbst ausdrucken.

3 Kommentare:

Anonymous Torsten sagte...

Hallo, Tim! Ach ne, ...Dirk. ;)

Die aktuelle Version von Media Portal (RC 2 bla) ist buggy wie nur was. Und die Menüführung, ja, sie ist umständlich. Es gibt allerdings eine Webanbindung an das offizielle CVS. Da kann man sich diverse Versionen herunterladen und hat bei hinreichender Muße endlich die beste Version für seinen Rechner gefunden. Ich benutze immer noch 0.1.3 und komme gut zurecht. Des weiteren ist die Bildqualität und der ruckelfreie Ablauf stark abhängig von benutztem Video- und Audiocodec, welchen man in der Konfiguration einstellen kann (wenn er denn installiert ist). Bei mir: Cyberlink Video/SP Decoder (unbedingt Version 6) und ffdshow Audio Decoder. Vielleicht hilft Dir das, vielleicht bleibst Du auch bei Deinem momentan gewählten Produkt.

Gruß, Torsten

5/2/06 2:05 PM  
Anonymous Anonym sagte...

Hi,

schöner Beitrag. Noch schöner wäre eine Menueleiste im Kopf- und Fußteil der Seiten, die von Beitrag zu Beitrag führt. Dann muss man nicht immer zurück zum Index, sondern kann von Teil 1 direkt zu Teil 2 uswusf springen.

Torsten

29/3/06 10:44 AM  
Blogger Dirk sagte...

Hallo Torsten,

das ist ein guter Tipp. Danke!

Gruß, Dirk (NewLine)

2/4/06 7:06 PM  

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