27.9.05

Herbsttag

Rainer Maria Rilke

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

1 Kommentare:

Blogger phoet sagte...

hach dirk, da werd ich ganz melancholisch oder wie das heißt. ich hoffe, dass ist nicht ansteckend!

herr doktor herr doktor! mein mitbewohner hat melancholie!

das ist kein problem, ich verschreibe ihnen prophylaktisch etwas. nehmen sie jeden abend oral einen kasten bier zu sich und sie werden merken, wie die symptome nachlassen.

29/9/05 10:05 AM  

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